Turkana See Umrundung



Unsere Gruppe für die Afrika Expedition Kenia Turkanasee Umrundung ist in Nairobi angekommen. Friedhelm und ich haben sie am Flughafen abgeholt. Die Vorbereitungen für die Reise sind bereits in den letzten Tagen erfolgt, so dass es nach der Übernachtung im Boulevard Hotel Nairobi losgehen kann.

Nairobi – South Horr – Thum




Von Nairobi aus fahren wir zuerst zum Mt. Kenia und übernachten auf der Campsite der Bantu-Lodge. Dort gibt es eine erste Lagebesprechung über den Tourverlauf der nächsten Tage. Vom Mt. Kenia aus geht es weiter in nördlicher Richtung über Isiolo zum Olokwe Berg und von dort weiter über Wamba und Maralal nach South-Horr, wo wir auf der Forest-Campsite übernachten wollen.







Am nächsten Morgen beginnen wir die Tageswanderung von South-Horr über das Nyiru-Massiv zu dem auf der anderen Seite gelegenen winzigen Ort Thum. In der Zwischenzeit soll der LKW mit dem gesamten Equipment und den „Nichtwanderern“ südlich um das Bergmassiv herum nach Thum fahren und bis zu unserer Ankunft dort warten und schon einmal das Camp aufbauen.

Der höchste Gipfel des Gebirges ist der Mt. Nyiru mit 2.800 m. Wir heuern einen Führer an und um der Tageshitze auszuweichen, gehen wir schon bei Morgengrauen los. An interessanten Granitflanken vorbei, dann in lockerem Geröll ansteigend, kommen wir langsam vorwärts. Nach gut 4 Stunden Marsch ist die erste Stufe des Hochplateaus erreicht und eine sumpfige Hochfläche liegt vor uns, bevor wir nach ca. 6 Stunden in die Gipfelregion gelangen. Wir machen eine ausgiebige Rast in dichtem Regenwald mit moosbedeckten Bäumen.

Der beschwerliche Abstieg nach Thum zieht sich noch einige Stunden hin, da einige nicht so flott gegen können, wie die anderen möchten. Es ist schon fast dunkel, als wir Thum nach insgesamt ca. 11 Stunden erreichen. Die „Zurückgebliebenen“ haben uns schon mit Sorge erwartet und sind uns mit Taschenlampen entgegen gekommen.





Heute ist Weihnachten und in der Nähe unserer Campsite gibt es eine katholische Missionsstation. Der Missionar hat die Angehörigen der in dieser Region lebenden Stämme - Rendille, Gabra und Samburu - zu einem Tanzfest eingeladen. Von weitem hören wir schon die stammesüblichen Gesänge und als die Feiernden dann unser Camp erblicken, kommen sie alle tanzend und wild gestikulierend zu uns herüber und umringen unser Camp. Sie tanzen und singen für uns nicht alle gleichzeitig, sondern jeder Stamm für sich und das dauert fast zwei Stunden.




Meine Filmkamera ist in Daueraktion und viele schöne Szenen werden dieses Ereignis unvergesslich machen. Für uns ist es im gewissen Sinne die Einstimmung für unseren morgen beginnenden 3-Tage-Marsch durch die Lavawüste im Suguta-Tal bis zur südlichsten Spitze des Turkana-Sees.


Thum – Fußwanderung Suguta Tal – Loyangalani

Die Vorbereitungen für unseren Marsch durch das Sugutatal sind abgeschlossen. Die Zurückgebliebenen bauen das Camp ab und fahren mit dem LKW wieder um die Südausläufer des Bergmassivs herum zurück nach South Horr und von da weiter nach Loyengalani am Turkanasee. Hier werden sie dann organisieren, dass man uns nach 3 Tagen mit einem Boot an der Südspitze des Sees abholen kann.
Wir haben einen Rendilleführer und einen einheimischen Koch angeheuert, die für uns 4 Esel als Lasttiere aussuchen. Bei der vorherigen Tour dieser Art hatten die Leute bei der Auswahl der „8“ Esel darauf geachtet, dass die Tiere kräftig und gut genährt aussehen. Das war aber eine Fehlentscheidung, denn die Hälfte der Tiere starb bereits unterwegs. Sie waren aufgrund ihrer Ernährung verwöhnt und nicht zäh genug, um die höllischen Strapazen und Entbehrungen des Marsches mit dem ganzen Gepäck über Lavageröll zu überstehen. Diesen Fehler wollen wir diesmal nicht machen und suchen 4 Esel aus, die zwar nicht kräftig aussehen, aber aus der Gegend stammen und zäh sind und so an Entbehrungen und das Klima im Suguta-Tal gewöhnt sind.
Das Sugutatal mit seinen vielen kleinen Vulkanen (z.B. Andrews, Teleki, Nabuyatom, Namusinyang) schließt sich, getrennt durch eine hohe Felsbarriere, an den Turkanasee an. Die Senke des Sugutatals beherbergt mit seinen riesigen, schroffen Lavafeldern und Klippen den winzigen Logipi-See, aus dessen Mitte der Cathedral-Rock („Kathedrale“) eindrucksvoll herausragt. Die Landschaft hier zählt mit durchschnittlichen Mittagstemperaturen von weit über 40 Grad C(denn Schatten gibt es hier nirgends!!) zu den heißesten Orten der Erde. Uns ist bewusst, auf was wir uns hier einlassen.
Die Esel mit ihren Treibern und unserem Gepäck sind schon längst unterwegs, da sie viel langsamer als wir voran kommen werden. Dann brechen auch wir auf und sehen alle nicht aus, als ob wir einen hochsommerlichen Strandspaziergang machen wollen. Alle Körperteile, die man vor der Sonne schützen muss, waren bedeckt (Hut, langärmeliges Hemd, lange Hose, Trekkingschuhe). Zum Glück gibt es keinen strahlend blauen Himmel, aber auch keinerlei Bewölkung, sondern einen hauchdünnen Schleier, der der Sonne zwar nicht die Sicht nimmt, aber vielleicht etwas von ihrer Intensität. Zunächst laufen wir in ebenem Gelände mit viel Geröll und großen Steinbrocken, dann kommen wir an einen Felsabbruch, der in einen steilen Canyon hinabführt.

Hier haben wir wieder einen gigantischen Blick auf das Riftvalley und weit am Horizont sieht man schwach das lichte Blau des Turkanasees, ein erster Ausblick auf unser Endziel. Auf schmalem Serpentinenpfad kraxeln wir in den Canyon hinunter und gelangen schließlich in ein Wadi mit ein paar Schattenbäumen. Dies ist eine gute Stelle für unsere erste ausgiebige Rast.
Unser Koch bereitet einen kleinen Imbiss für uns, doch der große Appetit war nicht da. Leider sind wir schon bald wieder aus der schattigen Ecke heraus und laufen weiter durch Wadis, Sand und Geröll. Nach weiteren zwei Stunden Fußmarsch erreichen wir in der Nähe der Missionsstation von Pakati wieder ein Wadi mit einigen größeren, sandigen Stellen, wo wir unsere Sachen ausbreiteten. Wir haben zwar sicherheitshalber zwei Zelte dabei, aber alle wollen draußen schlafen.
Es dauert einige Zeit, bis auch die Esel (es waren noch alle da!) mit unserem Equipment auftauchen – sie haben wohl wegen des steilen, engen Canyons eine andere Route nehmen müssen.

Ich weiß nicht mehr, ob es mit meinem Geburtstag zu tun hatte, aber der Koch fängt sogleich an, eine Ziege zu schlachten, hängt sie am Baum auf und zerlegt sie. Die Herzen der Truppe (meines nicht!) schlagen höher angesichts des in Vorbereitung befindlichen tollen Abendessens. Allmählich gelangen wir in die Lavazone, haben den Logipisee und den Andrews-Krater fast zum Greifen nah und jeden in Reichweite stehenden einzelnen Baum (meist ohne Blätter) nutzen wir für ein paar „schattige“ Augenblicke.





Der Blick auf die wilde, lebensfeindliche Landschaft, die gnadenlose Hitze, der Gang auf den heißen Lavabrocken , lassen den Abenteuercharakter der Tour jetzt immer deutlicher erkennen. Man glaubt zunehmend zu merken, dass das Profil unserer Trekkingschuhe von Minute zu Minute dünner wird.
Wir umrunden den Andrews-Krater zur Hälfte, passieren einige Mulden mit gigantischen Termitenhügeln, gehen langsam auf Lavagestein abwärts und erreichen das Ufer des Logipisees.
Man fühlt sich jetzt wie auf einem anderen Stern – die flirrende Luft, der See, der fast kein Wasser mehr hat, nur noch eine zähe, honigartige Brühe, keine Tiere, der majestätische, fast verschleierte „Cathedral-Rock“ inmitten des „gedachten“ Sees, die Felsbarrieren im weiten Rund, Lava soweit das Auge reicht.... Wir verweilen einige Zeit und jeder hängt seinen Gedanken nach und ich denke, dass es kein schöneres Geburtstagsgeschenk geben kann. Wir gehen weiter und merken, dass die Kräfte langsam nachlassen, aber wir sind noch nicht am Ziel.


Die Luftaufnahmen vom Logipi See im Suguta Valley und die späteren Aufnahmen vom Nabuyatom-Krater am Südende des Turkanasees habe ich aus einer Cessna gemacht, die wir für einen Rundflug über Nordkenia gechartert haben. Ein Stück laufen wir noch in Ufernähe den See entlang und biegen dann nach Norden ab auf die Felsbarriere zu, die jetzt noch den Blick auf den Turkanasee versperrt. Noch eine Stunde müssen wir durchhalten bis zu unserem Rastplatz. Wir rasten an einem kleinen Canyon zwischen Dünen aus schwarzer Asche und bizarren Sandsteinhügeln.

Es gibt sogar einige Palmen, aber das vermutete Wasser ist nicht da. Wir bauen zwei Zelte auf - nach dem Motto „wer will, der kann“, genießen die Rast und schauen zu, wie Koch und Rendilleführer das Abendessen vorbereiten – Reste der Ziege und Hühnchen. Erst nach weiteren drei Stunden kommen die Treiber mit den Eseln an - sie sind immer noch vollzählig, aber deutlich gezeichnet. Man nimmt ihnen das schwere Gepäck ab, aber sie stehen danach alle völlig apathisch, wie erstarrt, da. Auf Zurufen der Führer reagieren sie nicht, aber man muss sie unbedingt dazu bringen, sich zu bewegen, denn sonst sterben sie im Stehen, quasi im Wachkoma. Erst ein kräftiger Schlag auf das Hinterteil weckt sie auf und sie traben langsam davon. Wir werden heute alle nicht alt, denn die letzte Etappe bis zum See wollen wir schon vor Sonnenaufgang beginnen, um der Tageshitze ein wenig auszuweichen. Der Pfad geht über das übliche Lavageröll stetig ansteigend weiter. Wir machen eine Rast und schauen rückwärts auf das Panorama des Logipisees in der Morgendämmerung – diesen Anblick wird sicher niemand vergessen.

Nach weiteren zwei Stunden, vorbei an dem berühmten Teleki-Vulkan, haben wir den höchsten Punkt der Felsbarriere erreicht und nun liegt der Turkanasee eindrucksvoll vor uns, doch es ist noch ein anstrengender Weg bis dorthin. Wir machen eine größere Rast mit einem kleinen Imbiss und genießen diesen Blick.



Es geht weiter bergab und es wird etwas weniger anstrengend. Wir sind auch stärker motiviert durch das, was uns am Seeufer erwartet: die Bootsführer sollen für uns aus der Oasis Lodge eiskaltes Bier in einer Kühlbox mitbringen, damit wir unsere Lebensgeister wieder aufrütteln können. Die Schlagzahl unserer Schritte wird immer höher, als wir am Horizont bereits das Motorboot liegen sehen.
Das Ziel ist erreicht, das Bier ist tatsächlich da und eiskalt und da bleibt es nicht aus, dass der Verstand für kurze Zeit aussetzt - eiskaltes Bier auf völlig erhitzten Körper!!





Ich bin nach dem ersten Bier erledigt, der Koch auch, aber einige genehmigen sich sogar ein zweites – unfassbar. Nun aber schnell in den See und das Gefühl, es geschafft zu haben, ist nun unbeschreiblich. Nach einiger Zeit kommen auch die Esel an, aber sie würden am liebsten getragen werden. Wir nehmen an, dass sie sich auch gleich ins Wasser begeben werden, aber sie bleiben in gebührendem Abstand stehen. Sie haben Angst vor dem Wasser und auch vor dem Geräusch der starken Brandung, die wohl stärker war als ihr Durst. Dies war ein Zeichen dafür, dass die Tiere noch nie vorher am Wasser gewesen waren.
Das Boot mit der gesamten Ausrüstung wird beladen, die Esel werden von ihren Führern auf demselben Weg zurück zum Ausgangspunkt gebracht. Wir fahren mit unserem Boot ein Stück dem Ufer entlang, vorbei an dem in den See ragenden, kreisrunden Nabuyatom–Krater.




In der dahinter liegenden Bucht schlagen wir unser Camp auf und kommen endlich zur wohlverdienten Ruhe - dachten wir, denn diese Bucht werden wir als „Mückenbucht“ im Gedächtnis behalten.
Erst aus der Luft bekommt man den richtigen Eindruck von der einmaligen Kraterlandschaft am Südende des Turkanasees.






Weiter geht es mit dem Boot die kurze Strecke bis Loyengalani. Auf der El Molo-Campsite neben der Oasis-Lodge übernachten wir, feiern aber in der Lodgebar Silvester. In den beiden herrlichen mit Quellwasser gefüllten Swimmingpools werden wir nun auch die letzten Staubreste der Wüstenaktion los.

Loyengalani – Omo Delta – Central Island - Loyengalani

Nun beginnt unser fünftägiger Bootstrip auf dem Turkanasee mit zwei Motorbooten, ein Boot mit drei Außenbordmotoren für die Truppe, den Bootsführer und den Tourleader vom El Molo-Stamm sowie ein weiteres Motorboot mit einem Außenbordmotor mit zwei Mann Besatzung für das Equipment. Den Treibstoff für die Bootsmotoren können wir natürlich nicht in den Booten mitnehmen, er wurde vor dem Tripp entlang der Strecke in Kanistern gelagert.






Es kann losgehen, doch da der See ziemlich unruhig ist, kommen wir nicht so schnell voran und auch der Spritverbrauch ist höher, weil wir dieser Tatsache nicht mit einem geringeren Tempo Rechnung tragen - das sollte Folgen haben!! Nach ca. 2 Stunden legen wir in der Bucht von Moiti am Fuße des Kegelberges Mt. Porr an und auf einer vegetationslosen, mit schwarzem Lavasand bedeckten Landzunge schlagen wir unser Camp auf und unser Koch fängt sogleich mit der Vorbereitung für das Abendessen an, unter Mithilfe des gesamten Begleitpersonals und des einheimischen El Molo-Führers, der die Routen über den See kennt.









Alles wird am Morgen wieder auf die Boote geladen und der Tripp über den See geht weiter. Die Wellen sind immer noch ungemütlich und wir werden teilweise ganz schön durchgeschüttelt. Es ist zwar auch heute wie üblich sehr heiß, aber wenn dann von Zeit zu Zeit eine Gischt über das Boot fegt, ist man von Kopf bis Fuß nass und dann wünscht man sich, die Sonne möge schnell alles wieder trocknen. Zum Glück halten unsere Rettungswesten einen Teil des Wassers ab. Nach einigen Stunden Fahrt gehen wir in Alia Bay, am Südende des Sibiloi-Nationalparks, an Land. Heute wollen wir uns mit Fisch eindecken, den es hier im See überall massenhaft gibt. Ein Fischer kommt zu uns und bietet uns an, in Ufernähe mit dem Speer ein paar Nilbarsche für uns zu fangen. Mit einem kleinen Boot fährt er höchstens 5-10 m in den See hinein und in dem trüben Wasser spießt er in weniger als 15 Minuten drei mittelgroße Barsche auf.








Das Abendessen wäre für mehrere Tage gesichert, aber wir nehmen nur das, was wir heute brauchen, denn Fisch können wir uns am See jeden Abend wieder frisch besorgen. Im Parkhauptquartier mieten wir einen Landrover und lassen uns zu dem in der Nähe gelegenen versteinerten Wald fahren, in dem Tausende von Tierfossilien gefunden wurden, u.a. Riesenschildkröten und eine etwa 12 Meter lange ausgestorbene Krokodilart. Auch einige versteinerte Menschenknochen wurden hier ausgegraben.



Weiter geht die Reise. In der Ferne sehen wir die Nordinsel des Turkanasees, eine der drei Inseln, die es im See gibt (noch Südinsel, Zentralinsel). Nächstes Ziel ist der Ort Ileret, die nördlichste Ansiedlung am See, nicht weit von der Grenze zu Äthiopien entfernt. Direkt am Ufer schlagen wir die Zelte auf. Das Dorf liegt ein Stück entfernt auf einer Anhöhe, das wir später besuchen wollen. 
Heute werden wir auf dem Wasser die äthiopische Grenzregion erreichen, um in das Mündungsgebiet des Omoflusses, der einzige Zufluss zum See, zu gelangen. Wir vertäuen das Boot im Schilf und lassen es unter Aufsicht des Bootsführers zurück.





Ziel ist jetzt der Besuch eines Dorfes des Dasanetch-Stammes, das irgendwo auf dem Festland liegen soll. Erst müssen wir fast eine Stunde durch die schlammige Uferzone waten, was sehr anstrengend ist. Dann kommen wir allmählich auf festeren Untergrund und wandern über vegetationsloses, ausgetrocknetes Land weiter, bis wir schließlich das Dorf erreichen.






Der Häuptling des Dorfes war über unser Kommen bereits informiert worden, wusste jedoch nicht den genauen Tag. Es gibt ein großes Hallo, er führt uns in sein Dorf und wir können so alles in Ruhe betrachten.




Wir wandern zurück zum Boot und einige Dorfbewohner und der Häuptling begleiten uns. Das Boot ist noch da und gemeinsam schieben wir es aus dem Schlick heraus in tieferes Wasser und setzen unsere Fahrt zum nächsten Ziel, der Zentralinsel, einer 5 qkm großen Vulkaninsel, die 1983 zum Nationalpark erklärt wurde, fort. Sie liegt etwa 15 km vor der Westküste des Sees und dem Ferguson Golf. Der Hauptort im Golf ist Kalokol mit der Lake Turkana Fishing Lodge. Die unbewohnte Insel, 240 ü.NN gelegen, besitzt drei kleine Vulkankrater, von denen zwei mit Wasser gefüllt sind. Zunächst steuern wir die Lodge an, um Parkeintrittsgebühren zu zahlen und uns nach Treibstoff für die Boote umzusehen.



Unsere Treibstoffvorräte sind ziemlich aufgebraucht, nicht zuletzt durch den starken Wellengang und die zu hohe Geschwindigkeit der ersten Tage, die die Vorräte stark beansprucht haben. Es gibt hier zwar Sprit, aber der muss erst herangeschafft werden und die Preisverhandlungen nehmen auch einige Zeit in Anspruch, denn die „Lieferanten“ wittern bei unserer offensichtlichen Notlage mit Wucherpreisen natürlich ein gutes Geschäft. Also warten wir erst mal, bis der „Saft“ da ist und relaxen inzwischen auf der Terrasse der Lodge. Kühle Getränke – natürlich auch alkoholische - gibt es wenigstens zu Normalpreisen. Zusammen mit der Hitze schlaffen wir bald deutlich ab. Wir werden schließlich bei den Spritpreisen handelseinig und setzen unsere Fahrt zur Insel fort.








In Ufernähe schlagen wir unser Camp auf. Ein Bummel über das kleine Eiland ist ein faszinierendes Ereignis, wir erklimmen den höchsten Punkt der Insel und stehen zwischen den Kraterrändern der drei Vulkane – ein wunderschöner Blick.





















Es gibt zwar auch hier viele Mücken, aber mit meinem Bettlaken und dem Filmstativ baue ich mir eine relativ sichere „Mückenschutzbehausung“, ähnlich wie bereits in der „Mückenbucht“ am Nabuytom-Krater.
Morgen liegt die längste Etappe des Turkanasee-Tripps vor uns. Wir müssen den See diagonal in voller Breite von Nordwest nach Südost überqueren und das bei zünftigem Wellengang und mit halber Geschwindigkeit, um so gut wie möglich Sprit zu sparen.
Nach fünf Stunden sind wir nicht mehr weit vom Ufer bei Loyengalani entfernt und können die Fischer des Dorfes schon am Strand erkennen. Doch da geht auch der dritte Motor unseres Bootes wegen Spritmangels aus und wir treiben lautlos und hilflos auf dem See. Unser Vorratsboot ist bereits gelandet und so winken wir zum Ufer hinüber, um auf uns aufmerksam zu machen. Es dauert eine Weile, bis die Leute und unser Bootsführer im Beiboot realisieren, was los ist. Sie kommen zu uns zurück und schleppen uns die letzten Meter bis zum Ufer ab. Das Gejohle der Kinder am Strand müssen wir uns noch eine ganze Weile anhören.
Wir laden die Boote aus, holen den LKW und bringen das ganze Equipment zu unserer Campsite im El Molo- Camp, gleich neben der Oasis Lodge. Wir schlafen auf der Campsite, feiern unsere glückliche Rückkehr aber an der Lodgebar.
Gut erholt setzen wir unsere Tour unter dem Arbeitstitel „Rund um den Turkana-See“ fort. Dazu müssen wir weit ausholen, denn eine seenahe Fahrt zur Westseite des Sees gibt es nicht, eben wegen der Felsbarriere im Sugutatal, die wir auf unserer Wüstenwanderung überquert haben. Sonst hätten wir unser Ziel, die Oase Eliye Spings, sicher in einer Tagesetappe erreichen können. Wir fahren entlang der El Molo-Bucht und sehen am Horizont die Strohhütten der El Molo, ein Dorf, das wir früher in der Region schon besucht haben.


Loyengalani – Oase Galacha – Marsabit – Maralal

Dann gelangen wir zu der Oase North Horr, wo die Piste in die Chalbi-Wüste abzweigt. Viel gibt es im Ort nicht zu kaufen, aber einige Sachen finden wir doch. Hier erfahren wir, dass es in den letzten Tagen etwas geregnet hat, was in der Zeit der absoluten Trockenzeit völlig außergewöhnlich ist.

Wir hoffen, dass es mit dem Regen nur ein „Ausrutscher“ war, setzen unsere Fahrt fort und erreichen schließlich die Oase Galacha, wo wir nach langer Wüstenfahrt wieder etwas Grün und eine Quelle unter Palmen sehen. Hier wäre ein sehr schöner Platz für ein Lager gewesen, aber plötzlich beginnt es zu regnen. Da es nicht so aussieht, dass es schnell wieder aufhört, verlassen wir die Oase und fahren hinaus in die Wüste und finden nicht weit entfernt einen winzigen Geröllhügel, der die flache Ebene so gerade überragt.

So können wir die Lage überblicken und wenigstens “trockenen Rades“ wieder losfahren, wenn sich die Situation weiter verschlechtern sollte.

Hier schlagen wir die Zelte auf und müssen nun miterleben, wie sich die Wüste langsam aber sicher mit Wasser füllt und sich große Pfützen bilden. Die geplante Abkürzungsstrecke über Kargi, Korr, Laisamis ist gestrichen, da wir nicht wissen, wie es dort aussieht. Also bleibt uns keine andere Wahl, als erst einmal weiter die Hauptstrecke nach Marsabit zu nehmen. Von da verläuft die Hauptpiste nach Süden, von der es wieder einige Abzweigmöglichkeiten nach Südwesten gibt, falls die Folgen des Regens dies zulassen. Schon die Hauptpiste nach Marsabit hat es aber in sich und wir müssen zum Teil durch riesige Pfützen fahren. Ich will es kurz machen, auch alle anderen gedachten Ausweichstrecken fallen wegen der Pistenbeschaffenheit aus. Die letzte Ausweichstrecke würde die Überquerung des Milgisflusses, den größten Fluss der Region, bedeuten, aber der hat Hochwasser und schon die Uferränder sind hoffnungslos verschlammt.





Der Schlamm würde den LKW bestimmt halb verschlucken. Wir fahren also zurück zu der Hauptpiste, die vom Olokwe Berg über Wamba Richtung Maralal führt und gelangen zum Ewaso Ngiro Flusstal.
Wir folgen der Hauptpiste und biegen später in Richtung zu dem Ort Barsalinga, unmittelbar am Ufer des Ewaso Ngiro Flusses gelegen, ab. Hier wollen wir das Camp errichten.







Maralal – Kapedo – Lokichar – Lodwar – Turkanasee / West

Am Morgen geht es weiter Richtung Baringo-See, wir fahren jedoch nicht zur dortigen Roberts-Campsite, sondern biegen an der Einmündung bei Campi ya Samaki nach Norden ab und gelangen bei dem Ort Nginyang wieder in die Halbwüste. Durch diese wilde, eindrucksvolle Landschaft geht es über Kapedo, Lokori und Lokichar in Richtung Lodwar. Wir erreichen zunächst das kleine Dorf Kapedo, wo es heiße Quellen gibt. Abends kühlt sich der Fluss, der sich über einen kleinen Wasserfall in einen See ergießt, etwas ab, so dass man sich hinein wagen kann. Ein tolles Erlebnis nach einer Staubfahrt durch die Wüste.




Hinter Napeitom, das aus einer verfallenen Hütte und einem verlassenen Brunnen besteht, überqueren wir den Keriofluss. Nach dem größeren Ort Lokori fahren wir durch eine eindrucksvolle Halbwüste, entlang einer gigantischen Bergkette. Eine Unzahl von Wadis müssen wir durchqueren und manchmal haben wir dort mit Sandlöchern zu kämpfen.
In Lokichar erreichen wir die von Kitale kommende Asphaltstraße, die den Namen keinesfalls verdient hat, und fahren in Richtung Norden.
Schließlich sind wir in Lodwar und nach den wichtigsten Einkäufen und ein paar Drinks fahren wir gleich weiter zum Turkanasee und zur Oase Elyie Springs. Endlich erreichen wir die Westküste des Turkana-Sees, der unvermittelt aus der endlosen Sandwüste auftaucht.



Wie immer müssen wir uns hier mit der extremen Hitze auseinandersetzen, die einem auch nachts sehr zu schaffen macht. Wir streifen durch die Dünenlandschaft am See und kühlen uns dann im See und unter der Dusche so gut es geht ab, denn auch der See ist keineswegs kühl und das Wasser für die Dusche wird über ein oberirdisches Rohr herangeführt, so dass man mit der Abkühlung besser auf den späten Abend wartet.
Wieder einmal werden die am See lebenden Turkana in ihrer typischen Stammestracht Tänze vorführen, ein stets eindrucksvolles, fröhliches Ereignis in der wilden Landschaft. Etwas abseits von unseren Zelten haben die Frauen des Dorfes, das oberhalb einer Abbruchkante liegt, einen Markt aufgebaut, wo sie selbst gefertigte Souvenirs zum Kauf anbieten.



Turkanasee – Baringosee – Nairobi

Die schöne Zeit am Turkanasee ist zu Ende und wir fahren über Lodwar, Lokichar, Marich, den Kito-Pass und Nginyang wieder zum Baringosee, wo wir diesmal in der Roberts Campsite die letzten Stunden der Reise verbringen. Am nächsten Tag fahren wir auf einer guten Asphaltstraße die letzten 300 Km über Nakuru und Naivasha zurück nach Nairobi. Ein letzter Stadtbummel, bevor wir unseren Flieger zurück in die Heimat besteigen.





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