Unsere Gruppe für die Afrika Expedition Kenia Turkanasee Umrundung ist in Nairobi angekommen. Friedhelm und ich haben sie am Flughafen abgeholt. Die Vorbereitungen für die Reise sind bereits in den letzten Tagen erfolgt, so dass es nach der Übernachtung im Boulevard Hotel Nairobi losgehen kann.
Nairobi – South Horr – Thum
Von Nairobi aus fahren wir zuerst zum Mt. Kenia und übernachten auf der Campsite der Bantu-Lodge. Dort gibt es eine erste Lagebesprechung über den Tourverlauf der nächsten Tage.
Am nächsten Morgen beginnen wir die Tageswanderung von South-Horr über das Nyiru-Massiv zu dem auf der anderen Seite gelegenen winzigen Ort Thum. In der Zwischenzeit soll der LKW mit dem gesamten Equipment und den „Nichtwanderern“ südlich um das Bergmassiv herum nach Thum fahren und bis zu unserer Ankunft dort warten und schon einmal das Camp aufbauen.



Heute ist Weihnachten und in der Nähe unserer Campsite gibt es eine katholische Missionsstation. Der Missionar hat die Angehörigen der in dieser Region lebenden Stämme - Rendille, Gabra und Samburu - zu einem Tanzfest eingeladen. Von weitem hören wir schon die stammesüblichen Gesänge und als die Feiernden dann unser Camp erblicken, kommen sie alle tanzend und wild gestikulierend zu uns herüber und umringen unser Camp.
Sie tanzen und singen für uns nicht alle gleichzeitig, sondern jeder Stamm für sich und das dauert fast zwei Stunden.




Meine Filmkamera ist in Daueraktion und viele schöne Szenen werden dieses Ereignis unvergesslich machen. Für uns ist es im gewissen Sinne die Einstimmung für unseren morgen beginnenden 3-Tage-Marsch durch die Lavawüste im Suguta-Tal bis zur südlichsten Spitze des Turkana-Sees.
Die Esel mit ihren Treibern und unserem Gepäck sind schon längst unterwegs, da sie viel langsamer als wir voran kommen werden. Dann brechen auch wir auf und sehen alle nicht aus, als ob wir einen hochsommerlichen Strandspaziergang machen wollen. Alle Körperteile, die man vor der Sonne schützen muss, waren bedeckt (Hut, langärmeliges Hemd, lange Hose, Trekkingschuhe). Zum Glück gibt es keinen strahlend blauen Himmel, aber auch keinerlei Bewölkung, sondern einen hauchdünnen Schleier, der der Sonne zwar nicht die Sicht nimmt, aber vielleicht etwas von ihrer Intensität.
Hier haben wir wieder einen gigantischen Blick auf das Riftvalley und weit am Horizont sieht man schwach das lichte Blau des Turkanasees, ein erster Ausblick auf unser Endziel. Auf schmalem Serpentinenpfad kraxeln wir in den Canyon hinunter und gelangen schließlich in ein Wadi mit ein paar Schattenbäumen. Dies ist eine geeignete Stelle für unsere erste ausgiebige Rast.
Unser Koch bereitet einen kleinen Imbiss für uns, doch der große Appetit war nicht da. Leider sind wir schon bald wieder aus der schattigen Ecke heraus und laufen weiter durch Wadis, Sand und Geröll. Nach weiteren zwei Stunden Fußmarsch erreichen wir in der Nähe der Missionsstation von Pakati wieder ein Wadi mit einigen größeren, sandigen Stellen, wo wir unsere Sachen ausbreiteten. Wir haben zwar sicherheitshalber zwei Zelte dabei, aber alle wollen draußen schlafen.
Es dauert einige Zeit, bis auch die Esel (es waren noch alle da!) mit unserem Equipment auftauchen – sie haben wohl wegen des steilen, engen Canyons eine andere Route nehmen müssen.
Ich weiß nicht mehr, ob es mit meinem Geburtstag zu tun hatte, aber der Koch fängt sogleich an, eine Ziege zu schlachten, hängt sie am Baum auf und zerlegt sie. Die Herzen der Truppe (meines nicht!) schlagen höher angesichts des in Vorbereitung befindlichen tollen Abendessens.
Allmählich gelangen wir in die Lavazone, haben den Logipisee und den Andrews-Krater fast zum Greifen nah und jeden in Reichweite stehenden einzelnen Baum (meist ohne Blätter) nutzen wir für ein paar „schattige“ Augenblicke.
Der Blick auf die wilde, lebensfeindliche Landschaft, die gnadenlose Hitze, der Gang auf den heißen Lavabrocken , lassen den Abenteuercharakter der Tour jetzt immer deutlicher erkennen. Man glaubt zunehmend zu merken, dass das Profil unserer Trekkingschuhe von Minute zu Minute dünner wird.

Wir umrunden den Andrews-Krater zur Hälfte, passieren einige Mulden mit gigantischen Termitenhügeln, gehen langsam auf Lavagestein abwärts und erreichen das Ufer des Logipisees.
Man fühlt sich jetzt wie auf einem anderen Stern – die flirrende Luft, der See, der fast kein Wasser mehr hat, nur noch eine zähe, honigartige Brühe, keine Tiere, der majestätische, fast verschleierte „Cathedral-Rock“ inmitten des „gedachten“ Sees, die Felsbarrieren im weiten Rund, Lava soweit das Auge reicht....


Nach weiteren zwei Stunden, vorbei an dem berühmten Teleki-Vulkan, haben wir den höchsten Punkt der Felsbarriere erreicht und nun liegt der Turkanasee eindrucksvoll vor uns, doch es ist noch ein anstrengender Weg bis dorthin. Wir machen eine größere Rast mit einem kleinen Imbiss und genießen diesen Blick.
Es geht weiter bergab und es wird etwas weniger anstrengend. Wir sind auch stärker motiviert durch das, was uns am Seeufer erwartet: die Bootsführer sollen für uns aus der Oasis Lodge eiskaltes Bier in einer Kühlbox mitbringen, damit wir unsere Lebensgeister wieder aufrütteln können. Die Schlagzahl unserer Schritte wird immer höher, als wir am Horizont bereits das Motorboot liegen sehen.
Das Ziel ist erreicht, das Bier ist tatsächlich da und eiskalt und da bleibt es nicht aus, dass der Verstand für kurze Zeit aussetzt - eiskaltes Bier auf völlig erhitzten Körper!!

Ich bin nach dem ersten Bier erledigt, der Koch auch, aber einige genehmigen sich sogar ein zweites – unfassbar. Nun aber schnell in den See und das Gefühl, es geschafft zu haben, ist nun unbeschreiblich. Nach einiger Zeit kommen auch die Esel an, aber sie würden am liebsten getragen werden. Wir nehmen an, dass sie sich auch gleich ins Wasser begeben werden, aber sie bleiben in gebührendem Abstand stehen. Sie haben Angst vor dem Wasser und auch vor dem Geräusch der starken Brandung, die wohl stärker war als ihr Durst. Dies war ein Zeichen dafür, dass die Tiere noch nie vorher am Wasser gewesen waren.
In der dahinter liegenden Bucht schlagen wir unser Camp auf und kommen endlich zur wohlverdienten Ruhe - dachten wir, denn diese Bucht werden wir als „Mückenbucht“ im Gedächtnis behalten.
Erst aus der Luft bekommt man den richtigen Eindruck von der einmaligen Kraterlandschaft am Südende des Turkanasees.




Loyengalani – Omo Delta – Central Island - Loyengalani

Es kann losgehen, doch da der See ziemlich unruhig ist, kommen wir nicht so schnell voran und auch der Spritverbrauch ist höher, weil wir dieser Tatsache nicht mit einem geringeren Tempo Rechnung tragen - das sollte Folgen haben!! Nach ca. 2 Stunden legen wir in der Bucht von Moiti am Fuße des Kegelberges Mt. Porr an und auf einer vegetationslosen, mit schwarzem Lavasand bedeckten Landzunge schlagen wir unser Camp auf und unser Koch fängt sogleich mit der Vorbereitung für das Abendessen an, unter Mithilfe des gesamten Begleitpersonals und des einheimischen El Molo-Führers, der die Routen über den See kennt.
Alles wird am Morgen wieder auf die Boote geladen und der Tripp über den See geht weiter. Die Wellen sind immer noch ungemütlich und wir werden teilweise ganz schön durchgeschüttelt. Es ist zwar auch heute wie üblich sehr heiß, aber wenn dann von Zeit zu Zeit eine Gischt über das Boot fegt, ist man von Kopf bis Fuß nass und dann wünscht man sich, die Sonne möge schnell alles wieder trocknen. Zum Glück halten unsere Rettungswesten einen Teil des Wassers ab. Nach einigen Stunden Fahrt gehen wir in Alia Bay, am Südende des Sibiloi-Nationalparks, an Land. Heute wollen wir uns mit Fisch eindecken, den es hier im See überall massenhaft gibt. Ein Fischer kommt zu uns und bietet uns an, in Ufernähe mit dem Speer ein paar Nilbarsche für uns zu fangen. Mit einem kleinen Boot fährt er höchstens 5-10 m in den See hinein und in dem trüben Wasser spießt er in weniger als 15 Minuten nacheinander drei mittelgroße Barsche auf.
Das Abendessen wäre für mehrere Tage gesichert, aber wir nehmen nur das, was wir heute brauchen, denn Fisch können wir uns am See jeden Abend wieder frisch besorgen. Im Parkhauptquartier mieten wir einen Landrover und lassen uns zu dem in der Nähe gelegenen versteinerten Wald fahren, in dem Tausende von Tierfossilien gefunden wurden, u.a. Riesenschildkröten und eine etwa 12 Meter lange ausgestorbene Krokodilart. Auch einige versteinerte Menschenknochen wurden hier ausgegraben.
Weiter geht die Reise. In der Ferne sehen wir die Nordinsel des Turkanasees, eine der drei Inseln, die es im See gibt (noch Südinsel, Zentralinsel). Nächstes Ziel ist der Ort Ileret, die nördlichste Ansiedlung am See, nicht weit von der Grenze zu Äthiopien entfernt. Direkt am Ufer schlagen wir die Zelte auf. Das Dorf liegt ein Stück entfernt auf einer Anhöhe, das wir später besuchen wollen.
Heute werden wir auf dem Wasser die äthiopische Grenzregion erreichen, um in das Mündungsgebiet des Omoflusses, der einzige Zufluss zum See, zu gelangen. Wir vertäuen das Boot im Schilf und lassen es unter Aufsicht des Bootsführers zurück.
Ziel ist jetzt der Besuch eines Dorfes des Dasanetch-Stammes, das irgendwo auf dem Festland liegen soll. Erst müssen wir fast eine Stunde durch die schlammige Uferzone waten, was sehr anstrengend ist. Dann kommen wir allmählich auf festeren Untergrund und wandern über vegetationsloses, ausgetrocknetes Land weiter, bis wir schließlich das Dorf erreichen.
Der Häuptling des Dorfes war über unser Kommen bereits informiert worden, wusste jedoch nicht den genauen Tag. Es gibt ein großes Hallo, er führt uns in sein Dorf und wir können so alles in Ruhe betrachten.
Wir wandern zurück zu unserem Boot und einige Dorfbewohner und der Häuptling begleiten uns. Das Boot ist noch da und gemeinsam schieben wir es aus dem Schlick heraus in tieferes Wasser und setzen unsere Fahrt zum nächsten Ziel, der Zentralinsel, einer 5 qkm großen Vulkaninsel, die 1983 zum Nationalpark erklärt wurde, fort.
Sie liegt etwa 15 km vor der Westküste des Sees und dem Ferguson Golf. Der Hauptort im Golf ist Kalokol mit der Lake Turkana Fishing Lodge.
Unsere Treibstoffvorräte sind ziemlich aufgebraucht, nicht zuletzt durch den starken Wellengang und die zu hohe Geschwindigkeit der ersten Tage, die die Vorräte stark beansprucht haben. Es gibt hier zwar Sprit, aber der muss erst herangeschafft werden und die Preisverhandlungen nehmen auch einige Zeit in Anspruch, denn die „Lieferanten“ wittern bei unserer offensichtlichen Notlage mit Wucherpreisen natürlich ein gutes Geschäft. Also warten wir erst mal, bis der „Saft“ da ist und relaxen inzwischen auf der Terrasse der Lodge. Kühle Getränke – natürlich auch alkoholische - gibt es wenigstens zu Normalpreisen. Zusammen mit der Hitze schlaffen wir bald deutlich ab. Wir werden schließlich bei den Spritpreisen handelseinig und setzen unsere Fahrt zur Insel fort.
In Ufernähe schlagen wir unser Camp auf. Ein Bummel über das kleine Eiland ist ein faszinierendes Ereignis, wir erklimmen den höchsten Punkt der Insel und stehen zwischen den Kraterrändern der drei Vulkane – ein wunderschöner Blick.
Es gibt zwar auch hier viele Mücken, aber mit meinem Bettlaken und dem Filmstativ baue ich mir eine relativ sichere „Mückenschutzbehausung“, ähnlich wie bereits in der „Mückenbucht“ am Nabuytom-Krater.
Morgen liegt die längste Etappe des Turkanasee-Tripps vor uns. Wir müssen den See diagonal in voller Breite von Nordwest nach Südost überqueren und das bei zünftigem Wellengang und mit halber Geschwindigkeit, um so gut wie möglich Sprit zu sparen.
Wir laden die Boote aus, holen den LKW und bringen das ganze Equipment zu unserer Campsite im El Molo- Camp, gleich neben der Oasis Lodge. Wir schlafen auf der Campsite, feiern unsere glückliche Rückkehr aber an der Lodgebar.
Gut erholt setzen wir unsere Tour unter dem Arbeitstitel „Rund um den Turkana-See“ fort. Dazu müssen wir weit ausholen, denn eine seenahe Fahrt zur Westseite des Sees gibt es nicht, eben wegen der Felsbarriere im Sugutatal, die wir auf unserer Wüstenwanderung überquert haben. Sonst hätten wir unser Ziel, die Oase Eliye Spings, sicher in einer Tagesetappe erreichen können. Wir fahren entlang der El Molo-Bucht und sehen am Horizont die Strohhütten der El Molo, ein Dorf, das wir früher in der Region schon besucht haben.Loyengalani – Oase Galacha – Marsabit – Maralal
Wir hoffen, dass es mit dem Regen nur ein „Ausrutscher“ war, setzen unsere Fahrt fort und erreichen schließlich die Oase Galacha, wo wir nach langer Wüstenfahrt wieder etwas Grün und eine Quelle unter Palmen sehen.
Hier wäre ein sehr schöner Platz für ein Lager gewesen, aber plötzlich beginnt es zu regnen. Da es nicht so aussieht, dass es schnell wieder aufhört, verlassen wir die Oase und fahren hinaus in die Wüste und finden nicht weit entfernt einen winzigen Geröllhügel, der die flache Ebene so gerade überragt.

Hier schlagen wir die Zelte auf und müssen nun miterleben, wie sich die Wüste langsam aber sicher mit Wasser füllt und sich große Pfützen bilden. Die geplante Abkürzungsstrecke über Kargi, Korr, Laisamis ist gestrichen, da wir nicht wissen, wie es dort aussieht. Also bleibt uns keine andere Wahl, als erst einmal weiter die Hauptstrecke nach Marsabit zu nehmen. Von da verläuft die Hauptpiste nach Süden, von der es wieder einige Abzweigmöglichkeiten nach Südwesten gibt, falls die Folgen des Regens dies zulassen. Schon die Hauptpiste nach Marsabit hat es aber in sich und wir müssen zum Teil durch riesige Pfützen fahren.
Der Schlamm würde den LKW bestimmt halb verschlucken. Wir fahren also zurück zu der Hauptpiste, die vom Olokwe Berg über Wamba Richtung Maralal führt und gelangen zum Ewaso Ngiro Flusstal.
Wir folgen der Hauptpiste und biegen später in Richtung zu dem Ort Barsalinga, unmittelbar am Ufer des Ewaso Ngiro Flusses gelegen, ab. Hier wollen wir das Camp errichten.
Maralal – Kapedo – Lokichar – Lodwar – Turkanasee / West
Am Morgen geht es weiter Richtung Baringo-See, wir fahren jedoch nicht zur dortigen Roberts-Campsite, sondern biegen an der Einmündung bei Campi ya Samaki nach Norden ab und gelangen bei dem Ort Nginyang wieder in die Halbwüste. Durch diese wilde, eindrucksvolle Landschaft geht es über Kapedo, Lokori und Lokichar in Richtung Lodwar. Wir erreichen zunächst das kleine Dorf Kapedo, wo es heiße Quellen gibt. Abends kühlt sich der Fluss, der sich über einen kleinen Wasserfall in einen See ergießt, etwas ab, so dass man sich hinein wagen kann. Ein tolles Erlebnis nach einer Staubfahrt durch die Wüste.




Hinter Napeitom, das aus einer verfallenen Hütte und einem verlassenen Brunnen besteht, überqueren wir den Keriofluss. Nach dem größeren Ort Lokori fahren wir durch eine landschaftlich eindrucksvolle Halbwüste, immer entlang einer gigantischen Bergkette. Eine Unzahl von Wadis müssen wir durchqueren und manchmal haben wir dort mit Sandlöchern zu kämpfen. In Lokichar schließlich erreichen wir die von Kitale kommende Asphaltstraße, die den Namen keinesfalls verdient hat, Richtung Norden.
Schließlich sind wir in Lodwar und nach den wichtigsten Einkäufen und ein paar Drinks fahren wir gleich weiter zum Turkanasee und zur Oase Elyie Springs. Endlich erreichen wir die Westküste des Turkana-Sees, der unvermittelt aus der endlosen Sandwüste auftaucht.








































































































